Einmal einen Dobermann – nie mehr einen anderen Hund?
Wenn du ähnlich empfindest, geht es dir wie mir. Ich kann genau erklären, warum ich dieser Rasse mit Haut und Haaren verfallen bin.
Ich liebe ihr Temperament, ihre Ausdauer und ihren scheinbar unerschöpflichen Bewegungsdrang. Noch heute staune ich darüber, wie viel Bewegung ein Dobermann braucht. Selbst lange Touren mit dem Fahrrad sind oft nötig, um diesem Bedürfnis gerecht zu werden. Gleichzeitig besitzen Dobermänner eine aussergewöhnliche Sensibilität – eine Eigenschaft, die viele Menschen unterschätzen oder gar nicht erkennen. Gerade diese Mischung aus Kraft, Intelligenz und Feinfühligkeit macht sie für mich so einzigartig.
Wie besonders diese Hunde sind, durfte ich immer wieder erleben. Eine Begebenheit ist mir bis heute unvergessen.
Mit meinem ersten Dobermann-Weibchen, das im V-Wurf geboren wurde und deshalb den Namen Vodka erhielt, fuhr ich zusammen mit meiner damaligen Freundin und ihrem Hund nach Südfrankreich ans Meer. Wir hatten ein grosses Auto und ein Zelt dabei. Die Hunde schliefen nachts im Auto, wir im Zelt.
Während der ganzen Ferien fiel uns auf, wie positiv die Menschen auf unsere Hunde reagierten. Auf keinem einzigen Campingplatz hatten wir Schwierigkeiten – im Gegenteil. Immer wieder wurden wir für unsere wohlerzogenen Hunde gelobt. Auf einem Campingplatz blieben wir sogar einige Tage länger und freundeten uns mit der Pächterfamilie an.
Als wir die Heimreise antraten, gaben sie uns noch einen gut gemeinten Rat. Sie warnten uns eindringlich davor, auf Autobahnraststätten zu übernachten. Dort seien immer wieder Diebe unterwegs, und selbst vor Hunden hätten diese keine Angst. Ehrlich gesagt konnte ich mir das bei zwei Dobermännern kaum vorstellen.
Trotzdem nahmen wir die Warnung ernst. Unser Auto war durch ein Trenngitter geteilt und im hinteren Bereich befand sich eine grosse Liegefläche. Wir beschlossen deshalb, uns aufzuteilen. Meine damalige Partnerin schlief hinten zusammen mit ihrem Hund, während ich mit Vodka auf den beiden Vordersitzen übernachtete. Wir hofften, es potenziellen Dieben dadurch möglichst schwer zu machen.
Schon nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass Vodka unsere Anspannung gespürt hatte. Sie blieb die ganze Nacht aufmerksam. Bei jedem ungewohnten Geräusch, bei jeder noch so kleinen Bewegung ausserhalb des Autos hob sie den Kopf und knurrte leise, aber bestimmt. An tiefen Schlaf war für mich zwar nicht zu denken, doch gleichzeitig erfüllte mich ein tiefes Gefühl von Stolz und Dankbarkeit. Ich wusste, dass ich mich hundertprozentig auf sie verlassen konnte. Sie nahm ihre Aufgabe ernst – nicht, weil ich es von ihr verlangte, sondern weil sie das Bedürfnis hatte, auf ihre Menschen aufzupassen.
Am nächsten Tag holte sie den versäumten Schlaf nach und verschlief fast die gesamte Fahrt im Auto. Ihre Aufgabe war erfüllt.
Am 21. November 2002 musste ich Vodka im Alter von zehn Jahren gehen lassen. Es war einer der schwersten Momente meines Lebens. Auch heute, viele Jahre später, denke ich noch oft an sie zurück. Manche Hunde begleiten einen nur einen Abschnitt des Lebens – andere hinterlassen Spuren, die für immer bleiben.